Wenn Meditation schwierig wird

Wann ist professionelle Unterstützung sinnvoll?

Für die meisten Menschen ist Meditation eine sichere Praxis. Manchmal können währenddessen aber unangenehme Gefühle, Erinnerungen oder Gedanken auftauchen. Meist sind solche Erfahrungen vorübergehend und kein Grund zur Sorge.

In seltenen Fällen können die Schwierigkeiten jedoch stärker werden oder länger anhalten. In der Forschung wurden unter anderem starke Angst oder Panik, Schlafprobleme, belastende Erinnerungen, ungewöhnlich intensive Körperempfindungen sowie Veränderungen der Wahrnehmung oder des eigenen Selbstgefühls beschrieben.1

Ein wichtiges Warnzeichen ist nicht unbedingt, dass einmal während einer Meditation etwas Unangenehmes passiert, sondern wie stark und anhaltend es ist. Wenn Beschwerden auch außerhalb der Meditation bestehen bleiben, stärker werden oder deinen Schlaf, Alltag, deine Arbeit oder Beziehungen beeinträchtigen, solltest du die Meditation zunächst pausieren oder zumindest so weit reduzieren, dass es sich für dich wieder in Ordnung anfühlt, und dir Unterstützung suchen.

Besonders bei starken Ängsten, anhaltender Niedergeschlagenheit, wiederkehrenden Panikreaktionen oder einem länger anhaltenden Gefühl, von dir selbst oder deiner Umgebung getrennt zu sein, ist professionelle psychologische oder ärztliche Unterstützung sinnvoll.

Es gibt inzwischen auch Forschung und spezialisierte Anlaufstellen, die sich ausdrücklich mit schwierigen Erfahrungen durch Meditation beschäftigen. Das Clinical and Affective Neuroscience Laboratory der Brown University untersucht solche Erfahrungen wissenschaftlich. Cheetah House bietet Informationen und Unterstützung speziell für Menschen an, die durch Meditation belastende oder ungewöhnliche Erfahrungen gemacht haben. Im deutschsprachigen Raum bietet das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) Beratung bei spirituellen und meditationsinduzierten Krisen an.

Meditation soll dir nicht beweisen, wie viel du aushalten kannst. Eine Übung zu verändern, eine andere Technik zu wählen, zu pausieren oder ganz aufzuhören kann je nach Situation genauso vernünftig sein wie weiterzumachen.

Quellen

  1. Farias et al. (2020) Adverse events in meditation practices and meditation-based therapies: a systematic review